GASTHAUS MIT VEGANER MANUFAKTUR.
Ich schaue auf die Tageskarte im Herkenrath Hof. Ob Vorspeise, Hauptgericht, Nachspeise. Die veganen Gerichte stehen auf der Karte immer ganz oben. „Wir sind kein veganes Restaurant“, sagt Lithi Philavanh. „Aber wir nehmen vegane Küche ernst. In unserer Manufaktur entstehen mit viel Liebe zum Detail regelmäßig neue, hausgemachte Speisen, die ganz bewusst auf tierische Produkte verzichten.“ Das hört sich gut an, wir nehmen draußen im Hof Platz. Hier läuft gerade das Mittagsgeschäft, viele der Gäste sind in Bewegung und versorgen sich am reichhaltigen Büffet. Wir jedoch sind hier um Gerichte aus der veganen Manufaktur zu verkosten.
Die Sonne scheint. Das Mineralwasser perlt in unseren Gläser. Wir haben uns zwei Gänge bestellt. Die Vorspeise teilen wir uns. No Meatballs an pinkem Basmati-Reis auf selbstgemachtem Hummus. Die Bälle sind aus Tempeh gefertigt, fermentierte Sojabohnen. Wir schneiden sie auf. Die Kugeln sind außen kross und innen cremig und werden durch Reis und Hummus perfekt begleitet. Eine geschmackliche Abwechslung auf dem Teller. Und zudem eine farbenfrohe Einstimmung.
Als Hauptgang habe ich den veganen Schmortopf gewählt. Die Medaillons à la Bourguignon waren so geschmort, dass sie nach dem ersten Biss mit einer faserigen Textur daherkommen, die an bestes Rindfleisch erinnert. Die braune Soße, kräftig und würzig, macht das Gericht jedoch zu einem neuen Geschmackserlebnis. Fleisch vermisse ich dabei nicht, auch wenn mich diese Speise an die Sonntagsbesuche bei Oma und ihre Sonntagsbraten erinnert. Ich erzähle das alles meinem Gegenüber, der sich aber gerade an einem Backvish labt. Er sei gerade zu neuen Ufern unterwegs, wie er sagt. Der Fisch wird hier durch Aubergine ersetzt. Die Panade glänzt in einem tiefen Goldgelb, sie knackt im Biss und ummantelt den Backvish gehaltvoll und reichhaltig. Frische Zwiebelringe und ein cremiger Ajvar-Dip tun ihr Übriges. Mein Gegenüber schwärmt von einem kulinarischen Erlebnis, das sich in Richtung Wind und Wellen und einem Tisch an der Strandpromenade orientiert. Das klingt nicht nur famos, sondern schmeckt auch so. Ja, den Backvish durfte auch ich probieren.
Die veganen Vorspeisen verschieben wir auf das nächste Mal. Wir haben noch die Gelegenheit, kurz mit Claudia Hartmann zu sprechen. Die vegan geschulte Köchin verantwortet die vegane Manufaktur im Herkenrath Hof. Sie gibt mir einen Satz mit auf den Weg, der noch lange in mir nachklingen wird. „Ich liebe es, die Gerichte, die ich aus meiner Kindheit und Jugend kenne, umzugestalten, umzukreieren in leckere vegane Gerichte.“ Wir nicken. Bravo, Frau Hartmann!
Auf zu neuen Geschmäckern in den Herkenrath Hof.
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